Es ist vielleicht das feierlichste Fugen-S, das je an einer Schule zu Ehren gekommen ist: Eine Schülerin hält ein großes Schild hoch, auf dem "Abschied" steht, ein Klassenkamerad stemmt ein "Feier" dagegen. Zwischen ihnen präsentiert ein Kind eine Tafel mit einem S, "dem Fugen-S, das beide Wörter verbindet, das haben wir gelernt!", erklärt Sigrid Schwarzer, die Konrektorin der Grundschule an der Münchener Straße, die aber alle nur Antonschule nennen (es ist der ursprüngliche, gut katholische Name der Schule). Die Wörter "Abschied" und "Feier" passten allerdings nicht zusammen, bemerkt die Lehrerin, trotz des Fugen-S. "Wir sind traurig, dass unser Rektor in den Ruhestand geht. Er ist ein ganz besonderer Mensch und ein ganz besonderer Schulleiter. Menschlich, humorvoll und kompetent." 

Sie mögen ihn in der Antonschule, sehr sogar, das ist an diesem fröhlich-turbulente Vormittag in der uralten Turnhalle nicht zu übersehen. Kinder aller Klassen lassen Schebitz mit gekonnten, bejubelten Einlagen hochleben. Der Chor (Leitung Elisabeth Koller) reißt die anderen Kinder mit, vor allem beim Schullied-Ohrwurm. "Toni, Toni". Die Kinder haben auch ruhigere Songs im Repertoire, etwa "Spurensuche" im Westernsound. Was der Moderator frech kommentiert: "Es würde uns nicht wundern, wenn Herr Schebitz Winnetou persönlich gekannt hätte!", sagt Noah Frauenrath. Gelächter im Publikum. Ja, der Viertklässler und seine rhetorisch ebenso talentierte Mitschülerin Julia Menig haben die vollbesetzte Halle fest im Griff. 

Das amüsante "Sockentheater" zu rasanter Musik der Klasse 4d löst einen Jubelsturm aus. Im Getöse verkündet Noah: "Und jetzt kommt Party!" Dass die Kinder der Klassen 1 bis 4 ihre in der Tat rockige und sehr akrobatische Sportgymnastik (choreografiert und mitgeturnt von der Lehrerin Ulrike Gentner) ausgerechnet "Fit im Alter" genannt haben, ist bemerkenswert, denn es passt zu einer Pensionierung. 

An der Antonschule ist auch der Elternbeirat musikalisch. Die Mütter und Väter schmettern in Richtung des zu Ehrenden "Ich komm' nie mehr, nie mehr, nie mehr" auf die Melodie von "Hit the Road Jack", anschließend überreicht die Vorsitzende Susanne Landgraf ein Geschenk. So geht es Lied für Lied, Tanz für Tanz, Abschiedswort für Abschiedswort. Nach 13 Uhr ist die Feier noch nicht vorbei, aber die Lehrerinnen im Hintergrund animieren die Kinder mit Erfolg dazu, bis zur Ansprache des Rektors zu bleiben. 

Auch an dieser Grundschule kann man die Geschlechterverteilung noch als bayerisch-konventionell bezeichnen: Das Kollegium ist komplett weiblich - mit einer einzigen Ausnahme: dem Chef. Das wird an der Antonschule so bleiben. Schebitz' Nachfolger Claus Hulin (bisher Rektor in Wettstetten) sieht gewiss mit Freude, dass er an einer musisch sehr beseelten Schule gelandet ist. Am Rande: Die Zahl der Rektorinnen ist zuletzt auch in Ingolstadt deutlich gestiegen, was bei einem Lehrerinnenanteil von über 95 Prozent an den Grundschulen eigentlich längst ganz normal sein sollte.

Schulamtsdirektor Edmund Rieger hebt in seiner Rede gleich hervor, "dass ich heute einmal liebe Kolleginnen und Kollegen begrüßen kann, weil auch zwei Männer da sind." Rieger und Schebitz kennen sich schon lange: Sie haben 1975 am Christoph-Scheiner-Gymnasium Abitur gemacht und in Eichstätt Lehramt studiert. Auch auf den weiteren Karrierewegen begegneten sie einander. Der Leiter des Staatlichen Schulamts gibt einige nette alte Schwänke zum Besten und blickt in die nahe Zukunft: "Vielleicht treffen wir uns jetzt im Fitnesscenter! Wobei: Ruheständler trainieren ja eher am Vormittag." Und da kann Rieger nicht. Er muss noch ein paar Jahre weiter in Schulen gehen. "Ich beneide dich!" Dann übergibt er hochamtlich die Ruhestandsversetzungsurkunde.

Kulturreferent Gabriel Engert würdigt, dass Schebitz "immer darum bemüht war, die Kinder über den Schultag hinaus zu fördern". Auch den pädagogischen Ansatz des Rektors findet er gut: "Die Kinder sollen ihr Fehlverhalten selbst erkennen und daraus lernen." Tanja Riss, die Leiterin des Horts, dankt Schebitz sehr herzlich, ebenso Konrektorin Sigrid Schwarzer: "Er hat die Kollegen nie mit belanglosem Geschwafel genervt."

Der derart Geehrte schreitet gerührt zum Rednerpult. "Nach dieser Feier bin ich sprachlos! Aber sie bestätigt mich in meiner Annahme, ein ganz besonderes Kollegium und wundervolle Kinder zu haben!" Er erzählt, dass er jedes Jahr den Erstklässlern angeboten hat: "Wenn ihr an einem Tag mal nicht gelacht habt, kommt sofort zu mir!" Ein Bub sei eines Tags darauf zurückgekommen und stand traurig im Büro. Der Rektor fragte: "Name? Klasse? Grund?" Er konnte helfen. "Kurz darauf ist er mir strahlend im Gang begegnet. Dann kam er nicht mehr."

Da strahlt auch das Publikum.